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Architektur als Produktentwicklung

Text: Manuela Hötzl
Fotos: Planhaus
Arch&BauForum, 03/2004


"Interview im Vorfeld zum Architektur in Progress Vortrag"

Planhaus hat 1999 einen sehr produktorientierten Weg eingeschlagen, das Kleingartenhaus sol entwickelt und auf Messen vorgestellt. Ist das eine Marketingstrategie, um an Bauherren heranzukommen, oder steht eher die Haltung dahinter, eine sonst unerreichte Zielgruppe von Architektur zu überzeugen - wie es jetzt auch die IG-Architektur auf der Bauen&EnergieMesse versucht?
Es ist beides. Wir haben versucht, das architektonisch Richtige mit dem wirtschaftlich Möglichen zu verbinden. "Möglich" sowohl in Hinsicht auf unsere Entwicklungschancen als Büro, als auch in Hinsicht auf die finanziellen Möglichkeiten unserer Kunden. Und da haben wir zweifelsohne Kunden gewinnen können, die sonst nicht zu einem Architekten gegangen wären. Wir haben mit sol dort einen Markt gesucht, wo Architektur noch unterrepräsentiert ist, nämlich im Bereich des Einfamilienhausbaus. Unsere Zielgruppe sind diejenigen, die sich für einen qualitativ hochwertigen Fertighausbau interessieren und bei unserem Angebot merken, dass sie zu vergleichbaren Kosten eine maßgeschneiderte Architektenlösung bekommen können.
Nach vier Jahren kann man schon von einem erfolgreichen Konzept sprechen, sechs Häuser wurden fertiggestellt, zwei stehen vor Baubeginn und drei sind in Planung. Doch sol ist nicht gleich sol - wieviel ist maßgeschneidert, und was macht doch immer wieder sol aus?
sol war anfangs, wie du richtig gesagt hast, ein Konzept für ein "Kompakthaus". Ein kleines Haus, das durch seine Flexibilität in der Grundrissgestaltung viele Verwendungsmöglichkeiten zulässt, sich mit den Bewohnern mitentwickelt und nicht im Alter als halbleere Galeere übrig bleibt - viele von uns kennen das Problem bei ihren eigenen Elternhäusern. Nun haben wir aber bald einsehen müssen, dass es nicht jedermanns Sache ist, kleine Häuser zu bauen, dass aber viele Kunden trotzdem mit uns bauen wollen. Aus diesem Grund haben wir sol zu einem Systemhaus weiterentwickelt, das in seiner Form sehr flexibel ist, aber weiterhin über die spezifischen sol Produkteigenschaften verfügt: aus massiven Holztafelelementen gefertigt, große Fensterflächen, Niedrigenergiestandard, ökologische Materialien, Fixpreis und kurze Errichtungszeit. sol ist mittlerweile wie ein Werkzeugkasten, mit dem wir völlig individuell auf Kundenwünsche reagieren können. Das ursprüngliche sol-Haus ist als Icon oder Logo übrig geblieben, mit dem wir einen Wiedererkennungseffekt und eine Produktidentität erzeugen.
Ihr habt ja auch auf Messen viele Gespräche mit potenziellen Bauherren geführt. Lernt man da nicht auch viel über Architekturvermittlung im Allgemeinen?
Die Gespräche bei der Messe sind für uns nicht nur für die Akquisition wichtig, sondern haben uns auch wertvolle Informationen über die Wünsche der Nutzer und ihre Meinung zu sol gebracht. Die Information fließt also nicht nur von uns zu den Kunden, sondern auch in die umgekehrte Richtung. Wir sind ja keine "Architekturmissionare", sondern versuchen einfach, einen seriösen Dialog mit den potenziellen Nutzern zu führen.
Euer Team setzt sich nie ausschließlich aus Architekten zusammen. Bietet Planhaus damit einen Mehrwert?
Es stimmt, dass wir auf Multidisziplinarität setzen. Im Kern ging und geht es aber immer um die Architektur, also um zeitgemäße und lebensgerechte Wohnumgebungen. Wir sind uns nur der Tatsache bewusst, dass die Produktion von Räumen von Kommunikation eingehüllt und durchdrungen ist. Wir sehen es daher auch als unsere Aufgabe, den kommunikativen Prozess, in dessen Verlauf ein Haus entsteht, mitzudenken und bewusst zu gestalten.
Wie schaut die Zukunft von Planhaus aus? Entwickelt ihr weiter neue Produkte?
Ja, wir stecken einen beträchtlichen Aufwand in die Entwicklung von Ideen und Produkten, aber das rechnet sich meist erst nach drei bis vier Jahren. Unsere aktuelle Neuentwicklung parq.at ist eine Kommunikationsplattform zur Entwicklung von größeren Wohnprojekten, von denen es in Zukunft mehr geben dürfte. Die zukünftigen Bewohner von Reihenhaussiedlungen und Wohnbauten können den architektonischen Entwicklungsprozess mitverfolgen und an bestimmten Punkten beeinflussen. parq.at soll grundsätzlich auch anderen Planungsteams offen stehen.