Neuer Look fürs kleine Grüne
Text: Astrid Müllner
Fotos: Wolfgang Leeb
Die Presse 04/2005
|
|
50 - 250 - 5,5: Will man ein Wohnhaus in einem Kleingarten bauen, sind diese Angaben das Maß aller Dinge. 250, das steht für die maximale Kubatur in m3, 5,5 für die Höhe in Metern, 50 für die verbaute Fläche in m2. Seit mit der Novelle des Kleingartengesetzes von 1994 das ganzjährige Wohnen in solchen Anlagen erlaubt wurde, wird das Domizil im kleinen Grünen immer beliebter. Vor allem bei jungen urbanem Klientel, "die den Traum vom Leben auf dem Land, aber nicht weg von der City verwirklichen möchte", erzählt Caren Ohrhallinger, Architektin bei noncon:form.
Diese Tendenz bestätigen Wolfgang Leeb vom Büro planhaus und Walter Weiser von der CG. BauprojektsplanungsgmbH. Und sind damit selbst ein Indiz für einen weiteren - sachten - Trend, den eben diese neue Klientel mitbestimmt: weg von der häuslichen Schrebergartenidylle hin zu innovativer Architektur im Kleingarten. Statt der klassischen Mansardendächer entstehen immer mehr verwundene oder flache Konstruktionen, klare Formen, strenge Linien und viel Glas lösen bauliche Wucherungen und verwinkelte Grundrisse ab.
Tüftelarbeit
Worauf kommt es nun bei der Gestaltung der Häuser der neuen Generation an? Wie arbeitet es sich im 50 - 250 - 5,5-Korsett? Einfallsreich muss man sein, so die Planer unisono. Zum Beispiel, wenn es um den Keller geht - der schließlich meist an die 80 m2 groß sein darf. "Tiefwurzler" - Krone und Wurzelballen sind bei diesen Bäumen gleich groß - waren daher bei der Konzeption der "Villa Pia" von noncon:form Vorbild. Der Keller bekam eine tragende Rolle, "wurde durch neu interpretierte Schächte und Lichtschlitze aufgewertet", erzählt Ohrhallinger.
Weitere "Tricks", nun für oben: "Durch Rücksprünge in den Mauern, durch das Spielen mit der Tiefe, kann man die Kubatur beeinflussen", erzählt Wieser von seinem Konzept der "Mikroarchitektur". Versetzt man etwa den Balkon ein wenig zurück, gewinnt man Raum für das Obergeschoß. "Das Dach kann dann so gestaltet werden, dass man genug Platz darunter hat." Auch Verwindungen des Daches, ob rund oder eckig, könnten zu einer optimalen Ausnutzung der 250 m3 beitragen.
Um auf kleinem Raum ein großzügiges Raumgefühl zu schaffen, setzt man bei planhaus auf Verglasungen bis zur Decke, "die den Garten ins Wohnzimmer bringen", so Leeb über die Projekte aus der Serie "sol", die in Großtafelbauweise teils vorgefertigt werden können. "Und ordnet man Module wie das Badezimmer geschickt an, strukturieren sie den Raum - so braucht man keine zusätzlichen Innenwände." Noch ein Tipp: Verlegt man eine Fußbodenheizung, bleiben genügend Stellflächen an den Wänden, denn Heizkörper sind dann überflüssig.
Kleckern statt Klotzen
Von der Planung an den Kleingartenwohnhäusern "wäre es durchaus auch sinnvoll, etwas für den Wohnbau mitzunehmen", meint Leeb. Man sei gezwungen, das Haus ganz penibel durchzuplanen, "es wird ja im Zentimeterbereich gedacht." So lernt man eine Art "Raumökonomie und Raumästhetik umzusetzen." Was Ohrhallinger für die "Großen" anregen würde: "So wenig unnütze Erschließungsflächen, etwa Gänge, wie möglich. Entweder man minimiert sie oder macht sie auch für andere Funktionen wie eine Bibliothek nutzbar."
|